Waderruderwarte Treffen 2014

Ruderverein Fürstenberg /O. 1910 e.V.


Wanderruderwarte Treffen des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt

27.09 – 28.09.2014

 

Seit vier Jahren treffen sich die Wanderruderwarte des Landes Brandenburg einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Ruderwochenende. Jeweils ein anderer Wanderruderwart aus den verschiedenen Regionen von Brandenburg lädt dazu ein. So können die abwechslungsreichen Ruderreviere im Land mit Ortskundigen erkundet werden. Zudem trägt die Veranstaltung zu einer besseren Vernetzung und Austausch im Bereich Wanderrudern bei, schließlich kann man im Boot unkompliziert über die Touren ins Gespräch kommen. In diesem Jahr nahmen an der Fahrt Wanderruderwarte oder Vertreter aus Rathenow, Lehnin, Neuruppin, Werder (Havel), Frankfurt, Flecken Zechlin und dem Gastgebenden Verein Eisenhüttenstadt teil. Die Anreise erfolgte bereits am Freitag ins Bootshaus vom RV Fürstenberg (Oder) 1910. Am Samstag nach dem Frühstück wurden die Boote verladen und die Teilnehmer per Landtransport nach Guben an der polnischen Grenze gebracht. Der Wasserstand der Neiße war ausreichend aber die Einsatzstelle total versandet. Hier konnte man gleich sehen, womit man es zu tun hat, mit einem wilden, naturbelassenen Fluss. Das heißt für Ruderer zum einen eine ruhige und naturbelassene Ruderkulisse, bei der man mit etwas Glück Biber und Eisvögel beobachten kann. Zum anderen können einen aber auch unvorhergesehene Überraschungen erwarten wie umgestürzte Bäume oder Sandbänke mitten im Fluss. Steuerkünste und eine vorrausschauende Fahrweise sind daher geboten. Aufgrund von dicht über der Wasseroberfläche hängenden Ästen und Zweigen empfiehlt es sich, ohne Flaggenstock zu fahren, damit dieser nicht abgebrochen werden kann. Da es sich bei der Neiße und später der Oder um einen Grenzfluss handelt, muss eine Landesflagge griffbereit mitgeführt werden. Bei Ratzdorf legten wir eine kleine Pause mit Landgang ein, um uns die Mündung der Neiße in die breite Oder ganz in Ruhe anzuschauen. Nach einer kurzen Ruderstrecke auf der Oder sah man bereits bald die Kirchturmspitzen von Eisenhüttenstadts Altstadt (Fürstenberg/Oder). Kurz hinter der Einfahrt zum Oder-Spree Kanal befindet sich dann eine moderne Steganlage für Sportboote und ein kleines empfehlenswertes Restaurant namens „Zum Kietz“, wo wir unsere Mittagspause einlegten. Nach der ausgedehnten Pause ging es weiter zur Zwillingsschacht-Schleuse von Eisenhüttenstadt. In dem 127m langen und 12m breiten Becken sahen die drei Ruderboote etwas verloren aus, die Schleusung von 14m verlief recht zügig, da kein Ausgleich mit dem Nachbarbecken stattfand. Von der Schleuse bis zum Ruderverein Fürstenberg waren es dann nur noch ein paar Kilometer. Am Abend gab es Kesselgulasch vom Lagerfeuer und wir konnten uns über die verschiedenen Wanderfahrten des Jahres austauschen und Planungen für das nächste Jahr machen. Am Sonntag wurde nach dem Frühstück der selbstgebaute Katamaran des RV Fürstenberg zu Wasser gelassen. Das Boot besteht aus zwei ehemaligen VEB Yachtwerft Rennvierern, die zusammengeschraubt waren und über einen kleinen Mittelgang miteinander verbunden sind. Es machte viel Spaß mit dem Boot, da es sehr schnell und wendig ist. So ruderten wir zunächst durch die Stadt und vorbei an den Hochöfen des Stahlwerkes und einer riesigen Papierfabrik, danach ging es zurück zur großen Schleuse, die wir uns genauer anschauen wollten. Der freundliche Schleusenwärter vom WSA empfing uns am Schleusenbecken und führte uns durchs Areal. Er beantwortete geduldig die vielen Fragen zur Funktion, Geschichte und Technik der Schleuse. Wir Ruderer bekamen ganz neue Einblicke in die aufwändige Technik dieses technischen Bauwerks. Die Schleuse wurde in der Zeit von 1925 bis 1929 errichtet und besteht aus zwei nebeneinander liegenden Kammern. Die Besonderheit liegt im Doppelschleusenbetrieb, bei dem gleichzeitig ein Schiff zu Berg und ein Schiff zu Tal fahren. Dabei wird der Wasserspiegel in beiden Kammern durch unterirdische Verbindungskanäle ausgeglichen. Durch diese technische Möglichkeit können 50 % des sonst benötigten Wassers pro Vorgang gespart werden. Dennoch werden pro Schleusung bis zu 10.000 m³ Wasser verbraucht. Diese Wassermenge muss mit Pumpen wieder in den Oder-Spree-Kanal gepumpt werden, um den Wasserstand im Kanal konstant zu halten. Führungen über das Schleusengelände müssen beim WSA Berlin angemeldet werden und sind kostenfrei. Nach der Besichtigung ging es mit dem Katamaran zurück zum Ruderverein. Dort wurde das Boot geputzt und verstaut. Bald darauf verabschiedeten wir Wanderruderwarte uns, und es ging zurück in die Heimatvereine. Wer Interesse hat, auf der Neiße und Oder zu rudern kann sich an die freundlichen Ruderkameraden aus dem Ruderverein Fürstenberg (www.rvfo1910ev.de) wenden. Dort erhält man Tipps bei der Tourenplanung insbesondere zum Wasserstand der Neiße und Oder.

 

Lars Süßenbach