Vereinsfahrt Finowkanal 1015

Ruderverein Fürstenberg /O. 1910 e.V.


Schleusentour - Finowkanal

(01./02.08.2015 29 km + 17 km)

 

Am Freitag, 31.Juni 2015, waren gegen 19 Uhr alle Teilnehmer unserer 2. Vereinsfahrt 2015 am Üdersee im Ferienparadies zweier Vereinsmitglieder eingetroffen. Mit 3 ½ Zelten sah das Wochenendgrundstück dann schon fast aus wie ein kleiner Zeltplatz. Für besondere Bewunderung sorgte das Zelt von Uwe: Einer Hundehütte gleich, demonstrierte er dann auch, dass er tatsächlich reinpasst. Trotzdem verbrachte Uwe dann die 2. Nacht lieber in seinem Auto. ;o)

VL Heike hatte zum Abendessen bestellt: „jeder bringt sich was mit“. Es passte super, der Tisch sah aus wie ein mediterranes Buffet. Allerdings die Tatsachen, Freitagabend + Temperaturen um die 15 °C, ließen alle bei Zeiten in und auf ihre Schlafplätze verschwinden. Außerdem war Wecken um 6 Uhr angekündigt.

Der Samstag weckte uns mit Sonne und ein Handy-Wecker. Alle waren diszipliniert um Punkt 7 Uhr am Frühstückstisch im Cafe Petzel in Werbellin. Für Samstag war ein straffer Zeitplan notwendig, denn es standen insgesamt 10 Schleusungen auf dem Plan.

Zügig angeschlagen, lagen die 2 Vierer um 9 Uhr vor dem Schiffshebewerk Niederfinow zur 36 m-Fahrstuhlfahrt bereit. Der Schleusenmeister war nicht sehr auskunftsfreudig und ließ uns eine Stunde warten ohne dass etwas passierte. Damit war klar, dass der Zeitplan nun noch enger wurde, denn die letzte Schleusung des Tages war nur bis 16.45 Uhr möglich.

 

Der Finowkanal

Aus der ersten Idee (1600) Oder und Havel durch einen Kanal zu verbinden entstand 1609 das erste Teilstück des Kanals (Liebenwalde bis Schöpfurth) mit 5 Schleusen. Im 30jährigen Krieg zum Teil zerstört, zerfiel der Kanal bis Friedrich II. 1743 verfügte, unverzüglich mit dem Kanalneubau zu beginnen. 48 km Länge und 34 m Höhenunterschied stellen an die damalige Wasserbautechnik eine große Herausforderung dar. Seit 1746 wurden hauptsächlich Salz, Getreide und Holz auf dem Kanal befördert. Danach wurde der Kanal ständig ausgebaut und um 7 weitere Staustufen erweitert. Das Verkehrsaufkommen wächst rasant und die Wartezeiten an den Schleusen werden immer länger. 1845 wird mit dem Ersatz der hölzernen Schleusen auf doppeltbreite massive Schleusen begonnen. Somit können immer 2 Schiffe pro Schleusengang geschleust werden. Per königlichen Erlass wird das Maß für solche Schiffe (dem Finowmaßschiff) auf 40,2 m Länge, 4,6 m Breite und einen Tiefgang von 1,40 m festgelegt. 1914 wird der Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin (der Oder-Havel-Kanal) eröffnet und die Bedeutung des Finowkanals für den Transport entfällt. Infolge des 2. Weltkrieges wird der Finowkanal 1945 wegen Zerstörung von Teilstücken für die Schifffahrt gesperrt. Die Natur holt sich den Kanal zurück. Ab 1997 wird durch die Bundesregierung Geld für die Wiederherstellung und den Erhalt des Finowkanals zur Verfügung gestellt. Es wurden Schleusen saniert, Wasserwanderrastplätze angelegt, Rad- und Wanderwege geschaffen.*

Die Taktik für den Tag war, mit einem Bier je Schleuse die Schleusenwärter zum Telefonat mit der nächsten Schleuse zu animieren. Es funktionierte, nur waren in einigen Fällen die Schleusentore bei unserer Ankunft zu, mal kam jemand von oben, mal waren wir zu schnell, mal zu langsam.

So passierten wir nach und nach die Schleusen Liepe und Stecher, die Ragöser und die Eberswalder Schleuse, Kupferhammerschleuse, Drahthammerschleuse. Die Mittagspause wurde dem Zeitplan geopfert, aber ein kleiner Stopp musste dann doch mal sein. Schon allein wegen des leckerem Schokokuchen und der selbstgebackenen Cookies einer Ruderkameradin. Nur den Kaffee mussten wir uns dazu denken.

Nach 20 Minuten ging es dann auch schon weiter: Wolfswinkler Schleuse, Schleuse Heegermühle (hier mussten wir die Schleusenwärterin überzeugen, dass wir es schaffen in 10 min an der Schleuse Schöpfurth zu sein. Ansonsten hätten wir Umtragen müssen, um zum Schlafplatz unserer Boote zu kommen.) Aber alles schick: wir waren ja fast alle mal Rennruderer und wussten noch wie es geht: Schlagzahl erhöht  geschafft! Schleuse Schöpfurth bei Glockenschlag 17 Uhr passiert! In der Marina Eisvogel (OT Hubertusmühle) konnten unsere Boote übernachten.

Mathias hatte sein Auto am Tag zuvor schon dort abgestellt, sodass die komplizierte aber durchdachte Logistik beginnen konnte: Karsten zum Ausgangspunkt Einsatzstelle OHK (Hänger) fahren, er setzte den Hänger zum Endpunkt (Kanuklub am Werbellinsee) um, Uwes Auto holen und dann mit 2 PKW Heike, Scarlett, Katrin, Kerstin, Birgit, Jan und Jörg einsammeln (wir liefen ihnen schon ca. 3 km entgegen und Laufen tat nach 10 Stunden sitzen im Boot so richtig gut!). Kaum auf unserem Privatzeltplatz am Üdersee angekommen, fuhren Uwe und Heike los, um Karsten vom Werbellinsee abzuholen. In der Zwischenzeit wurde der Grill angeschmissen, Bier organisiert und zur allgemeinen Körperpflege im Üdersee gebadet.

Essen, Trinken, Quatschen :o) ein schöner Tag ging viel zu schnell zu Ende.

 

 

Am Sonntag war das Tagesziel der Werbellinsee. Diesmal und weil der Tag noch so jung war, standen die Schleusentore der Grafenbrücker, Leesenbrücker und Ruhlsdorfer Schleuse offen und wir waren ruck-zuck durch den Rest des Finowkanals gerudert. Unmittelbar nach der Ruhlsdorfer Schleuse bogen wir in den 2011 eröffneten neuen Teil des Werbellin-Kanals ein. Wir sahen zwar das große Rot-Weiß-Österreich-Schild, aber konnten den langen, sehr kleinen Text auf dem Zusatzschild nicht lesen. Bei späteren Recherchen des VL stellte sich heraus, dass wir etwas Verbotenes getan hatten: das neue Stück Werbellin-Kanal ist tatsächlich im März 2015 wieder gesperrt wurden, wegen Baumängeln an Teilen der Deiche, „Wellenschlag könnte die Standsicherheit gefährden“, erfährt man im Internet.

Leider gab es auch auf diesem Teilstück dann noch einen etwas unangenehme Begegnung: ein Mister Wichtig wollt uns das „Urinieren“ bei unserem kurzen Stopp an einem Schwimmponton untersagen. Begründung: wir befinden uns auf einen Baustelle, dort solle in 2 Wochen ein Festival stattfinden (lt. Google: SECRETS-Festival). Hallo Leute: da war nur Wiese, ein paar Bäume, eine Straßenbrücke und ein altes Sägewerk, weit und breit keiner den unser kurzer Boxenstopp belästigt hätte. Dafür war das restliche Stück Weg im Werbellin-Kanal wieder schattig, gut bewachsen und kurzweilig. Es folgen noch die Schleusen Rosenbeck und Eichhorst, bis wir auf dem Werbellinsee ankamen (Tipp: Schleuse Rosenbeck: Automatikschleusung zur vollen Stunde von Oben, danach gleich wieder hoch). In der Schleuse Eichhorst wurde es für den Klinker- Vierer sehr eng, da eine Motorbootbesatzung ihr Boot bei einströmendem Wasser nicht im Griff hatte.

Pünktlich um 13 Uhr konnten wir am Campingplatz „Süßer Winkel“ ein erstes Bad nehmen. Das tat gut (!), denn die Sonne brannte schon den 2. Tag ziemlich ungebremst auf unsere Rudererkörper.

 

Boote wurden dann bei den SV Stahl Finow auf der anderen Seeseite verladen. Gern hätten wir noch einen Tag drangehängt um den Werbellinsee auszufahren. Aber am Montag rief bei allen wieder die Arbeit.

 

Danke Heike und Karsten für Eure Gastfreundschaft, für die perfekte Organisation und für die 2 schönen Tage. Schön war’s!

 

 

Kerstin Stein-Mahlig

RV Fürstenberg (Oder) 1910 e.V.

 

*http://www.floesserverein-finowfurt.de/geschichte-finowkanal/